Reform der Berufsbildung in Luxemburg
Mit dem Gesetzesprojekt zur Reform der Berufsbildung soll das System der beruflichen Erstausbildung sowie der beruflichen Weiterbildung im gesamten Land Luxemburg neu geordnet und auf die Anforderungen einer modernen Berufsbildung ausgerichtet werden.
Insbesondere im Bereich der beruflichen Erstausbildung sind weit reichende Veränderungen vorgesehen, deren Implementierung schrittweise bis 2013 geplant ist. In der beruflichen Erstausbildung sind insgesamt 112 Ausbildungsgänge betroffen, die sich auf drei verschiedenen Qualifikationsstufen befinden.
In dem Reformprojekt werden zunächst die Ordnungsgrundlagen für die Ausbildungsgänge (Berufsprofil, Ausbildungsprofil, Rahmenlehrplan, Lehrpläne und Bewertungskriterien) grundlegend überarbeitet bzw. neu entwickelt. In der Neuordnung der Ausbildungsgänge werden drei zentrale Innovationen konzeptionell entwickelt und praktisch umgesetzt:
- Kompetenzorientierung, d.h. die Berufsausbildung soll zukünftig nicht mehr primär nach Fächern und Disziplinen organisiert, sondern kompetenz- und arbeitsprozessorientiert aufgebaut werden.
- Modularisierung der Ausbildung, d.h. die Berufsausbildung soll im Rahmen so genannter Bausteine/Teilqualifikationen modular strukturiert werden.
- Verzahnung von Ausbildung und Arbeitswelt, d.h. durch die verstärkte Berücksichtigung von beruflichen Handlungsanforderungen in den Ordnungsgrundlagen, aber auch durch die intensivere Verzahnung von betrieblichen und schulischen Ausbildungsphasen soll die Berufsausbildung insgesamt stärker auf die Problemstellungen der Lebens- und Berufswelt ausgerichtet werden.
Diese Innovationen stellen neue Herausforderungen an die Entwicklung und Umsetzung der Ordnungsgrundlagen. Als Etappen für die Entwicklung und Umsetzung der Ordnungsgrundlagen sind die folgenden Schritte geplant:
- Als Grundlage für die curricularen Entwicklungen dienen so genannte Berufsprofile, die zu Beginn des Projektstarts mehrheitlich vorliegen. Berufsprofile beschreiben die Arbeitsbereiche, Aufgaben und Tätigkeiten, die typischerweise in einem abgegrenzten Berufsfeld zu bewältigen sind. Sie gehen über die konkreten Gegebenheiten eines einzelnen Betriebes hinaus und erfassen die typischen Arbeiten, die einen Beruf kennzeichnen.
- Die Berufsprofile bilden eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung von so genannten Ausbildungsprofilen. Diese bestimmen die Handlungskompetenzen, die zur Bewältigung der im Berufsprofil dokumentierten Arbeitsbereiche, Aufgaben und Tätigkeiten erforderlich sind.
- Die Ausbildungsprofile werden in Rahmenlehrpläne strukturiert. Dazu werden sinnvolle Einheiten in Form von Bausteinen/Teilqualifikationen bzw. weitergehend Modulen abgegrenzt. Ferner wird festgelegt, welche Lernorte für die einzelnen Module verantwortlich sind.
- Die modular aufgebauten, berufsbezogenen Bereiche des Rahmenlehrplans werden u.a. um die Bereiche der Allgemeinbildung erweitert. Das Ergebnis sind Lehrpläne, Bewertungsrichtlinien und Prüfungsinstrumente. Diese Unterlagen werden schuljahresbezogen entwickelt. Sie sollen für den ersten Jahrgang zu Beginn des Schuljahres 2010 vorliegen.
Das IWP wurde gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) aus Deutschland vom Land Luxemburg beauftragt, die Reform der Berufsbildung in Luxemburg anzuleiten, zu begleiten und zu unterstützen.